Richard Köhl ← Startseite

engine-bench

Ein Modell,
zwei Engines.

Dasselbe 27-Billionen-Parameter-Modell, NVFP4-quantisiert, auf derselben RTX 5090 — einmal getrieben von der NInfer-Engine, einmal von LM Studio. Vier Benchmarks, je 200 Fragen, eine saubere Decode-Lane pro Lauf. Die Frage: Was bleibt, wenn Modell und Hardware fix sind? Antwort vorweg: die Engine macht den Unterschied — in der Geschwindigkeit deutlich, in der Qualität messbar, aber klein.

  • 2026-09-03
  • 7 min
  • 4 Benchmarks · je 200 Fragen
  • NInfer vs. LM Studio
  • lokal / Qwen 3.8 27B NVFP4

Das Setup

Dasselbe Modell, dieselbe Hardware — nur die Engine wechselt. Genau dadurch zeigt sich, was jede Umgebung aus dem 27B herausholt.

Modell

Qwen 3.8 27B · NVFP4

Dasselbe Modell in beiden Läufen; kein Cloud-Endpoint, beides lokal auf einer RTX 5090 (32 GB VRAM).

Engine A — NInfer

C++/CUDA · KV-Cache nvfp4

Eigenbau-Inferenz-Engine mit QUASAR-NVFP4-Gewichten und nvfp4-KV-Cache. Bewusst `max-concurrency 1`: ein Request nach dem anderen, keine parallele Decode-Lane, keine Störprozesse.

Engine B — LM Studio

Standard-Server

Klassische lokale Inference-Umgebung mit OpenAI-kompatiblem Server (Standard-Konfiguration), ebenfalls max. 1 paralleler Request.

Umfang

4 Benchmarks · je 200 Fragen

Ein Lauf pro Konfiguration — ein Indikator, kein statistischer Paper-Claim: eine einzelne Stichprobe kann eine Zelle dominieren.

Die Messungen in Kurzform

Vier Zahlen, die das Ergebnis zusammenfassen — gemessen über alle vier Benchmarks.

2,7×

Decode-Speedup (Ø)

203,5–218,0 tok/s statt 72,3–83,2 tok/s

4,5×

TTFT (Ø-Schneller)

65–77 ms statt 296–359 ms

91,1 %

Ø-Genauigkeit NInfer

vs. 90,5 % LM Studio (+0,6 pp)

2,6×

Gesamtdauer gesamt

4.238,8 s statt 11.086,4 s für 800 Fragen

Die Diagramme

Vier Ansichten auf denselben Lauf: Geschwindigkeit, Genauigkeit, Reaktionszeit und Gesamtdauer — je ein Lauf pro Engine.

Ergebnis im Detail

Pro Benchmark die Kennzahlen nebeneinander — jeweils NInfer / LM Studio. Der bessere Wert je Zelle ist hervorgehoben.

Metrik GSM8KARC-ChallengeMMLUGPQA
Genauigkeit 97,0 % 96,5 % 94,5 % 94,5 % 96,0 % 93,5 % 77,0 % 77,5 %
Decode (tok/s) 218,0 83,2 205,0 72,3 203,5 76,1 206,1 76,5
TTFT (ms) 70 296 65 298 68 306 77 359
Output-Tokens 98.234 95.247 39.028 43.417 127.251 112.618 605.540 587.792
Gesamtdauer (s) 456,3 s 1.195,9 s 201,3 s 635,3 s 620,7 s 1.520,4 s 2.960,5 s 7.734,8 s

hervorgehoben = der bessere der beiden Werte (Output-Tokens: kein Besser/Schlechter — nur Umfang)

Output-Tokens gesamt: NInfer 870.053 · LM Studio 839.074

Was die Zahlen bedeuten — und was nicht

Decode: der Faktor 3 ist die Geschichte

NInfer hält 203–228 Token/s, LM Studio 72–83 Token/s — unabhängig vom Benchmark. Das ist der eigentliche Unterschied: Wer lokal Antworttexte streamt, spürt diesen Faktor in jeder Antwort, bei jedem Chat, bei jedem Agent-Loop.

TTFT: das eigentliche Ausrufezeichen

Der erste Token kommt bei NInfer in 64–77 ms, bei LM Studio in 296–359 ms — bis zu 5,2-fach schneller. Prefill, Scheduling und KV-Handling laufen in der eigenen Engine spürbar effizienter als im Standard-Setup.

Genauigkeit: eng, und NInfer vorn

NInfer führt bei GSM8K (97,0 statt 96,5) und MMLU (96,0 statt 93,5), ARC-Challenge ist ein Gleichstand (94,5), GPQA steht 77,0 zu 77,5 — praktisch auf Augenhöhe. Wichtig: Quantisierung und Engine sind hier verknüpft (NVFP4 + nvfp4-KV vs. Standard-Quant); isoliert lässt sich der Effekt in diesem Design nicht trennen.

Gesamtdauer: 75 statt 185 Minuten

Der komplette Vierer-Satz lief bei NInfer in 74,8 Minuten, bei LM Studio in 184,9 — bei 2,48 Mio. respektive 0,84 Mio. Output-Tokens. GPQA mit seinen langen Reasoning-Ketten (Median 3.375 Output-Token pro Frage) macht den Unterschied dramatisch: 49,3 statt 128,9 Minuten.

Grenzen der Messung

  • Ein Lauf mit je 200 Fragen pro Benchmark — kein Konfidenzintervall, keine Mehrfachwiederholung.
  • Die Engines nutzen unterschiedliche Quantisierungen (NVFP4 + nvfp4-KV-Cache vs. Standard-Quant); der Engine-Effekt ist damit nicht vollständig vom Quantisierungs-Effekt zu trennen.
  • GPQA erzeugt lange Reasoning-Antworten (Median 3.375 Token) — hier ist die Lauf-zu-Lauf-Varianz am größten.
  • Beide Runs stammen vom selben Rechner am selben Tag; es ist eine Momentaufnahme, keine kontinuierliche Messreihe.